war am 26.05.2026 zu Gast bei RoC45.
Regelbewusstsein bedeutet für ihn zunächst, dass Regeln einen Rahmen setzen und Orientierung geben sollen. Regelwerke würden aber zunehmend so detailliert, dass sie Handlungsspielräume einschränkten und Prozesse lähmten. Gerade in komplexen Organisationen wie dem Roten Kreuz zeige sich, dass zentrale Vorgaben zwar vereinheitlichen sollen, in der Praxis aber nicht immer durchgehend wirkten. Zum Regelbewusstsein gehöre auch der Umgang mit Regeln: Viele hielten sich daran oder versuchten es zumindest. Andere ignorierten Regeln, ohne dass dies immer Konsequenzen habe.
Die zunehmende Qualitäts- und Regulierungstiefe führe zudem dazu, dass Anforderungen und Ausbildungswege immer umfangreicher würden. Potenzielle Helfer im Ehrenamt würden dadurch teilweise abgehalten, bevor sie überhaupt aktiv werden.
Zentrales Thema sei für ihn zudem die schwindende Fähigkeit zu eigenverantwortlichem Handeln. Regeln würden auch deshalb eingefordert, weil viele Menschen Verantwortung nicht mehr selbst übernehmen könnten, selbst wenn sie es wollten. In der Krisenvorsorge werde das besonders sichtbar: In Katastrophenfällen könne der Staat nicht jede individuelle Versorgung sofort sicherstellen. Dennoch werde häufig erwartet, dass er auch dann alles regele – von der Notunterkunft bis zur konkreten Vollversorgung im Einzelfall.
Als Gegenbild nannte er Finnland. Dort gebe es eine klare Regel: 72 Stunden Eigenversorgung. Der Staat sorge für Sicherheit und grundlegende Strukturen, der Einzelne müsse für sich selbst vorsorgen. Eine vergleichbar klare und praktisch verankerte Erwartung fehle in Deutschland weitgehend.
Sein Ansatz: Eigenverantwortung wieder stärker vermitteln – in Schule, Ausbildung und Alltag – und grundlegende Fähigkeiten zur Selbstorganisation und Vorsorge wieder selbstverständlich machen.
Welche Regel würde er abschaffen? Die zunehmende Detailtiefe im Baurecht.











