Ausgesprochen aufgeschlossen für das Thema Regeln ohne Chaos stand uns Prof. Brumme am 20.September für ein Roc45 Gespräch zur Verfügung und unterschied zunächst zwischen informellen und normierten Regeln. Letzteres ist definitiv ein Problem in Deutschland, das hemmt.
Als Negativ-Beispiel nannte Prof. Brumme die Präsidiumssitzungen der Hochschule. „Waren es früher Treffen bei denen die Themen Weiterentwicklung der Hochschule und Innovationen im Mittelpunkt standen, so diskutieren wir heute über die Einhaltung von Compliance Leitsätzen und Regelkonformität. Das ist eine Entwicklung in die falsche Richtung“ so Prof. Brumme. Es geht zu viel um Absicherung, die hohe Komplexität führt zur Angst Fehler zu machen, man übernimmt weniger Verantwortung, da alles genauestens überprüft wird.
Eine Lösung hatte der Präsident der Hochschule auch nicht parat, allerdings einen möglichen Lösungsansatz. Seine Feststellung, dass die Tendenz zur detaillierten Regelungen mit der Größe der Einheit zunimmt, nimmt er zum Anlass die Hochschule entsprechend in zwei kleinere Systeme zurückzubauen und erhofft sich mehr Eigeninitiative und weniger Missbrauch des Systems. „In übersichtlichen Strukturen funktioniert eine gewisse Selbstkontrolle, die Eigenverantwortung wächst, sie sind flexibler und regeln sich selbst. Ob das eine mögliche Lösung ist wird sich zeigen und ob sich der größte Teil der bisherigen Regeln automatisch erledigt, ebenfalls. Manche Regelwerke stehen in Bezug zu anderen und lassen sich nicht so leicht abschaffen“. Impulse für die Abschaffung von Regeln müssen, aus seiner Sicht, top-down erfolgen.
Ein RoC45 Gespräch mit interessantem Input, und neuen Perspektiven. Regelbewusstsein ist die Voraussetzung für weniger Bürokratismus, darin war sich die Gesprächsrunde einig und differenzierte zwischen den Begriffen Bürokratismus, als die Seite der Treiber, und Bürokratie als die der Umsetzenden.
