Petra Engstler-Karrasch, Hauptgeschäftsführerin der IHK Ulm

war am 07.07.2026 zu Gast bei RoC45.

Regelbewusstsein ist für sie vor allem eine Frage des Mindsets. Nicht jede Herausforderung müsse durch neue Regeln oder Normen gelöst werden. Viele Regelungen wären entbehrlich, wenn stärker verinnerlicht würde, dass die eigene Freiheit dort endet, wo sie die Freiheit anderer beeinträchtigt. Das Thema sei inzwischen in Politik und Gesellschaft angekommen. Verglichen mit 2023, als die Unternehmerschaft der Region unter dem Fokus „Wir ersticken im Formalismus: Bürokratieabbau jetzt!“ auf die Straße gegangen ist, nehme sie wahr, dass sich die Diskussion spürbar verändere und erste Verbesserungen erkennbar würden.

Diese Veränderungen entstünden häufig im Kleinen. Als Beispiel nannte sie die Nachweis- und Berichtspflichten im eigenen Haus: Früher mussten sämtliche Berichtshefte hochgeladen werden, obwohl sie anschließend nur stichprobenartig geprüft wurden. Heute fordert die IHK Ulm nur noch die ausgewählten Stichproben an. Dadurch sei der Verwaltungsaufwand erheblich gesunken, ohne dass die Qualität der Prüfung gelitten habe. Im Gegenteil: Die angeforderten Berichtshefte könnten sogar intensiver geprüft werden.

Weitere Potenziale sieht sie sowohl bei neuen als auch bei bestehenden Regelungen. Den Verbesserungs- und Vereinfachungsvorschlägen, die der Normenkontrollrat unter Einbezug der Praxis erarbeitet, könnte im Gesetzgebungsverfahren noch konsequenter entsprochen werden. Bestehende Vorschriften sollten regelmäßig auf Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit überprüft und mit einem Verfallsdatum versehen werden, der neue Koalitionsvertrag auf Landesebene sieht entsprechend positive Veränderungen vor. Ein weiteres Problem liege in der deutschen Neigung, europäische Vorgaben besonders umfangreich umzusetzen. Kleinere Unternehmen könnten die wachsenden Anforderungen häufig kaum noch bewältigen, größere Unternehmen wichen zunehmend ins Ausland aus.

Veränderung entstehe ihrer Auffassung nach nicht durch einen einzelnen großen Eingriff, sondern durch viele konsequente Verbesserungen im Detail. Vereinfachungen müssten dabei auch den Verwaltungen ermöglicht werden, die häufig aus Sorge vor persönlicher Haftung öffentlich zurückhaltend agierten.

Ihr Ansatz: Nachweis- und Berichtspflichten konsequent reduzieren, Regelungen regelmäßig überprüfen und mit automatischen Auslauf- oder Genehmigungsfiktionen verbinden.

Welche Regel würde sie abschaffen?
Die deutsche Ausprägung der Datenschutz-Grundverordnung.