„Der Kapitän der CDU Mannschaft im Landtag Baden-Württemberg“, Manuel Hagel, stand uns am 4.April Rede und Antwort, und gab mit dieser Definition seiner Position in Stuttgart die Richtung des RoC45-Gesprächs vor. Locker und unkompliziert ging es 45 Minuten um den Austausch von Meinungen zum Thema Regeln und Regelbewusstsein. Letzteres beschrieb Hagel aus seinem Verständnis, als Balance zwischen Freiheit und Verantwortung. „Jeder darf sein wie er ist, und unter dieser Maßgabe entwickeln wir Gemeinsinn und Gemeinschaft“. Dem Vergleich mit dem über Jahrzehnte gewachsenen Umweltbewusstsein widersprach Hagel. „Umweltbewusstsein gibt es schon lange. Es erforderte mehr Eigenverantwortung, die es früher auch ohne Regeln gab“. Auf dem Land aufgewachsen, habe er erlebt, dass die Landwirte aus Einsicht und Erfahrung richtige Entscheidungen getroffen haben. „Ohne Regeln. Da hat der Respekt vor der Natur eine lange Tradition“.
Das es zu viele Regeln gibt, die mehr hemmen als helfen, dem stimmte der CDU Fraktionsvorsitzende uneingeschränkt zu. Aus seiner Sicht war die Finanzmarktkrise Ende der 90er Jahre der Anlass, die offensichtlichen Regelungslücken konsequent zu schließen. „Die Frage nach der Schuld ist der falsche Ansatz, was wir brauchen sind bessere Zielvorgaben“. Manuel Hagel verwies auf das Positionspapier seiner Partei, in dem sie fordert, Gesetze nur mit Verfallsdatum zu verabschieden und vor der Vorlage zur Gesetzgebung neuer Normen verpflichtend einen Realitätscheck durch Praktiker durchzuführen.
„Dass es nicht immer leicht ist, resilient gegen momentane Stimmungen zu sein, habe ich selbst erfahren müssen, als ich mich gegen mehr Brandschutzvorschriften ausgesprochen habe, nachdem der Brand in einem Seniorenheim als tragischer Unfall feststand. Wenn dabei Menschen zu Schaden kommen, ist das sehr bedauerlich, aber Einzelfälle können nicht der Grund sein, etwas für alle neu zu regeln“.
Mit dem Satz „Ein Leben ohne Risiko ist ein Leben ohne Freiheit“ brachte er auf den Punkt, was ROC seit Jahren beschäftigt. Sensibilisierung für den Sinn oder Unsinn von Regeln, mehr Eigenverantwortung und, wie Hagel ergänzte, die vier K müssen bereits in der Schule gelehrt und auch angewendet werden. Die 4 K sind Kreativität, Kommunikation, Kollaboration und kritischen Denken als Voraussetzungen für Innovationen. „Weil Start-ups schon in der Gründungsphase an zu viel Regelwerk scheitern, und Ideen nicht realisiert werden sind wir im Dynamikindex auf den hinteren Plätzen, während wir beim Innovationsindex unter den Top five rangieren“. Die Antwort auf die Frage welches Gesetz er sofort abschaffen würde, zögerte er nicht. Die Bundesemmissionsschutzverordnung! Ein Gesetz, dass nicht in die Zeit passt. Nicht das Einzige.
